99 Movies in 2009: (17) City of Ember

Worum geht’s?
Die Menschheit steht kurz vor dem Ende, weshalb eine Gruppe von Wissenschaftlern beschließt, im tiefen Untergrund eine Stadt zu errichten. Ember soll genau 200 Jahre existieren und ihre Bewohner dann mit Hilfe einer Box wieder zur Oberfläche führen. Doch die Box geht mit der Zeit verloren und das Leben in Ember verschlechtert sich zunehmend. Das Schicksal der Bewohner liegt in den Händen von Lina und Doon, zwei jungen Menschen, die gerade angefangen haben zu arbeiten. Beide wollen das Geheimnis von Ember lüften und den Ausgang aus der Untergrundstadt finden.
Wer spielt mit?
Saoirse Ronan (Lina Mayfleet)
Harry Treadaway (Doon Harrow)
Bill Murray (Mayor Cole)
Tim Robbins (Loris Harrow)
Amy Quinn & Catherine Quinn (Poppy)
Marianne Jean-Baptiste (Clary)
Martin Landau (Sul)
B.J. Hogg (Mayor’s Guard)
Mary Kay Place (Mrs. Murdo)
Liz Smith (Granny)
Regie: Gil Kenan
Drehbuch: Caroline Thompson

Gesamteindruck
Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal einen Film gesehen habe, bei dem ich vorher nicht wuste, worum es eigentlich geht. Ich wusste nur ein paar Namen aus dem Cast und das Genre, der Rest war mir unbekannt. Und es war ein tolles Gefühl. Sicher, der Film ist nicht gerade ein Meisterwerk, aber trotzdem gut genug, um Unwissende über weite Strecken zu begeistern.
Der Film wandert zwischen ein paar Genres hin und her. Während es äußerlich nach einem Familienfilm schreit, der für die etwas größeren Kinder zugeschnitten ist, ist es letztendlich doch irgendwie eine Mischung aus Mystery, Abenteuer und düsterem “Ende der Welt”-Drama. Der Plot, der in der ersten Hälfte so gut wie gar nicht in Fahrt kommt und seine Minuten für andere Geschichten verschwendet, die mit der Suche nach dem Ausgang nichts zu tun haben, sorgt dabei für das Mystische, verzichtet allerdings auf eine erklärende Auflösung: Warum die Builder ihre Nachfahren mit den Anweisungen aus der Stadt helfen wollten, scheint unklar. Warum 200 Jahre später, scheint unklar. Was überhaupt der Grund ist, warum die Menschen unter der Erde leben, ist unklar. Nicht mal die eigentliche Zeit ist bestimmt.
Die Abenteuerformel ist dagegen recht einfach gehalten. Die Karte mit den Anweisungen dient dabei als Schatzkarte; die geheimen Gänge und Tunnel von Ember als Weg zum Ausgang, welches der übliche Schatz ist. Dass die junge Generation dabei auf “Schatzsuche” geschickt wird, ist jedoch ein wenig nachteilig. So verschenkt man eine tolle Grundgeschichte für den Unterhaltungswert der Familie; aus dem Plot hätte man wesentlich mehr rausholen können, wenn man ihn an eine andere, ältere Zielgruppe gerichtet hätte. Aus einem letztendlichen Abenteuerfilm hätte ein dunkles Endzeitdrama werden können, der die Zukunft von Twelve Monkeys in einem anderen Setting erzählen könnte; der das Leben der Menschen aus Zion in der Matrix-Trilogie erzählen könnte.
Lediglich aus dem “Ende der Welt”-Drama hätte man ein wenig mehr Zeit investieren können. So ist die Entstehung und der Grund der Existenz von Ember völlig ungeklärt und könnte den einen oder anderen Zuschauer enttäuschen. Das Ende ist ebenfalls unbefriedigend; es ist zwar ein typisches Happy End, aber es verläuft so schnell, dass keine Zeit vorhanden ist, um darüber nachzudenken. Bevor der geübte Zuschauer die Ausmaße begreift, die die Story hat, läuft auch schon der Abspann und alle Gedanken sind umsonst.
Im Rest des Films ist es genauso. Viele Dinge bleiben ungeklärt und müssen hingenommen werden. So bleibt unklar, wie viel der Staff des Mayors und der Mayor selbst wusste; woher die Mutationen der Tiere kommen; was der Vater von Doon Harrow wusste und wie schon erwähnt die Hintergründe der Stadt und ihrer Einwohner.

Letztendlich muss man erwähnen, dass der Film unter seinem Genre leidet. Es ist ein Familienfilm, doch die Story gibt sehr viel mehr her. Zudem ist er für einen Familienfilm recht düster gehalten, was der starken und optisch großartigen Kulisse zuzuschreiben ist. Ein Feindbild gibt es eigentlich nicht; der Mayor wird als Bösewicht nicht eingeführt, entwickelt sich aber zu einem. Allerdings ist die Rolle mit Bill Murray recht langweilig besetzt und der Side Plot um den Diebstahl von Nahrung ist nicht nur langweilig, sondern führt auch nirgendwo hin. Bis die eigentliche Story um die Suche nach dem Ausgang beginnt, ist schon die Hälfte der Laufzeit um und der Film gewinnt plötzlich an Fahrt. Während man sich in der zweiten Hälfte stärker auf die Geschichte konzentriert hat, bleibt die erste Hälfte doch erwähnungslos und spannungsarm.
Die Darsteller können überzeugen, hier und damit Ausnnahmen; die Effekte sind nett anzuschauen, sind im Finale aber doch ziemlich mager und künstlich. Dagegen kann die Ausstattung in allen Bereichen punkten. Für eine Studioproduktion wirkt die Stadt Ember so unecht, dass es schon fast wieder real ist. In jeder Straßenecke gibt es offenbar Geheimnisse und hinter jeder Tür verstecken sich Tunnel, die noch tiefer in die Stadt hineinführen. In Ember steck ebenfalls sehr viel mehr, als der Film letztendlich zu bieten hat.
Mit seinen 90 Minuten ist City of Ember einfach zu kurz. Wäre die Storyline vom Diebstahl mit mehr Erklärungen über Ember versehen worden, wäre der Film schon viel besser. Hätten die Produzenten den Mumm gehabt, sich vom Familiengenre wegzubewegen und aus der Story einen Fantasyfilm mit der üblichen “Lasst die Welt nicht untergehen”-Botschaft gemacht, wäre der Film schon viel besser. So ist er nach allem doch ein nett gemachter kleiner, aber unwichtiger Familien Slash Jugendfilm mit einer ungenutzten Grundidee und fantastischer Ausstattung. Untrhalten tut er dennoch.
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